Geisenfelder Zeitung, Mittwoch, 1. Mai 2019

Der einzige „Geber-Verein“ der Stadt

Bürgerring macht im Schnitt pro Öffnungstag 728 Euro Umsatz - und verteilt seine Erlöse großzügig

Von Maggie Zurek

Geisenfeld (GZ) Rund eine Million Euro hat der Geisenfelder Bürgerring in 21 Jahren erwirtschaftet. Angesichts dieses sensationellen Erfolgs wollte Bürgermeister Christian Staudter bei der Jahresversammlung nur noch in Superlativen schwelgen.


Nicht nur bei Regen hat der Bürgerring – hier vertreten durch Günter Reith und Maria Stark –
die „Schirmherrschaft“ über die Neugestaltung des Lehnerbergs am Fuße der
Klostermauer übernommen. Der Verein spendet 5000 Euro für die Maßnahme
und steuert Vorschläge für die weitere Gestaltung bei. (Foto: Zurek)

Der Kassenbericht, den Margit Steinberger am Montag den rund 50 Besuchern vortrug, wies Einnahmen von über 155 000 Euro – im Schnitt rund 728 Euro an jedem der 213 Öffnungstage – aus. Davon wurden 135 000 Euro an Vereine, Organisationen und die Kommune ausgeschüttet. Eine „gigantische Leistung“, wie es der Vorsitzende Günter Reith in seinem Dank an die 62 ehrenamtlichen Helfern formulierte. Sie alle seien Garanten dieses „einzigartigen Erfolgsrezepts“, zu dem ein „in jeder Hinsicht gepflegter Auftritt des Bürgerring von der Homepage über die Shopräume nebst Außenanlagen bis zur Kassenführung“ gehöre. Man könne wohl sagen, dass man „der einzige Geber-Verein der Stadt“ sei, so Reith mit einem Augenzwinkern in Richtung Rathauschef, der diese Einschätzung bestätigte. Die Stadt sei einer der „Nehmer“ und profitiere vom „sensationellen ehrenamtlichen Engagement“, so Staudter, der unter anderem die Bürgerbus-Spende und die Zahlungen in den Sozialfonds erwähnte, dank derer man in Not geratenen Menschen unbürokratisch helfen könne.

In seinem Rückblick hob Reith die auch dank der Mitwirkung vieler befreundeter Vereine rundum gelungene Feier zum 20-jährigen Bestehen hervor. Welche Wertigkeit man dem Bürgerring zumesse, habe die Vielzahl der Ehrengäste gezeigt. Auch eine Stadtführung durch Mainburg, die Besichtigung der GSB oder die vom Verein organisierte Waldweihnacht im Forst von Ainau, die am 15. Dezember eine Wiederholung erleben soll, ließ der Vorsitzende Revue passieren. Gefreut habe man sich über die Garde- und Schäfflerauftritte und die Extra-Vorführung der neuen Drehleiter, betonte Reith, der auch auf eine geplante Premiere hinwies: die Aufstellung eines eigenen Maibaums. Weitere Vorhaben für 2019 sind ein Ausflug ins Granitzentrum Hauzenberg nebst Fahrt auf dem Kristallschiff am 29. Mai. Die Eintrittsgelder für Mitglieder übernimmt Steinmetz Günther Pichlmeier. Zudem fließt der Gewinn aus einer Spendenaktion in Höhe von 600 Euro in die Finanzierung ein, so dass Mitglieder nur 10 Euro, alle anderen 20 Euro zahlen. Sechs Plätze sind noch frei.

Als geschäftsführende Vorsitzende des Bürgerring konstatierte Maria Stark kurz und knackig: „Der Shop läuft gut.“ Wie eine Auswertung des Verkaufs nach Warengruppen zeige, erwirtschafte man 51 Prozent des Umsatzes mit Damen- und Herrenbekleidung, 15 Prozent mit Geschirr und 14 Prozent mit Kinderkleidung. Acht Prozent entfallen auf Schuhe und Handtaschen und sechs Prozent auf Bücher. Der Rest auf Möbel und sonstige Gegenstände. Immer mehr junge Menschen zählt der Shop zu seinen Kunden – darunter eine treue Gruppe von Studentinnen aus München und Landshut. Auch an Waren fehlt es nicht, wodurch Auswahl und Qualität steigen. Statt wie früher jährlich, erhalte man inzwischen monatlich zwei bis drei Mal eine komplette Wohnungsauflösung, betonte Stark, die allen Helfern, Kunden und Spendern dankte. Auch was nicht verkäuflich ist, werde als Altkleider oder Alteisen verwertet – und bringe so „den einen oder anderen Cent“.

Eine detaillierte Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben (darunter neben den Ausschüttungsbeiträgen 13 200 Euro für Miete und Strom) des 41 Mitglieder zählenden Vereins lieferte Steinberger in ihrem Finanzbericht. Kassenprüferin Gabriele Bachhuber bescheinigte auch im Namen ihrer Amtskollegin Evi Steinberger eine „mehr als nur ordentliche Buchführung“. Und die Entlastung des Vorstands geriet auf diese Weise natürlich zu einer reinen Formsache.

Dahin fliesst das Bürgerring-Geld

Insgesamt 65 450 Euro hat der Bürgerring – die Spendenbeschlüsse der jüngsten Sitzung eingerechnet – bereits in den ersten vier Monaten des Jahres ausgeschüttet. Allerdings waren weniger Anträge als gewohnt vor der Vergabeversammlung eingegangen.

Einstimmig bewilligt wurden der von der Line-Dance- Gruppe gewünschte Zuschuss zur Anschaffung einer Beschallungsanlage (300 Euro), die Unterstützung des Kulturprogramms im Seniorenheim (3000 Euro) und eine Finanzspritze für die Straßenambulanz von Bruder Martin (5000 Euro). Für den behindertengerechten Umbau eines Gerätes im Bewegungspark sind 3000 Euro bereits eingeplant. Findet sich hier eine günstigere Lösung, soll das verbleibende Geld in die Anschaffung weiterer Trainings-Geräte fließen.

Nicht unumstritten war ein Zuschuss von 5000 Euro an die Klosterjäger Geisenfeld für die Sanierung der Schießstände. Wortmeldungen gab es keine. Aber sechs der Anwesenden enthielten sich der Stimme, fünf waren dagegen.

Schon im Vorfeld sind Gelder geflossen: für den Bürgerbus (20 000 Euro), für die Gestaltung des Lehnerbergs, als Unterstützung für den Kriseninterventionsdienst des Roten Kreuzes, außerdem für das Ronald-McDonald-Kinderhaus (je 5000 Euro), die Schäfflertanz-Gruppe (4500 Euro), für den Ferienpass (4000 Euro), zur Anschaffung von Schülertablets für das Sonderpädagogische Förderzentrum (3000 Euro), die Herzkissen-Aktion des Frauenbunds (500 Euro) und Handschuhe für die Ilmendorfer Feuerwehrjugend (150 Euro).

Was die weitere Gestaltung des Areals am Lehnerberg angeht, sollen Alternativen geprüft werden. Das Kunstwerk von Helmut Hofer stieß auf geteiltes Echo.


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